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Annehmen

Der Sommer neigt sich dem Ende zu und der Herbst hält Einzug. Mein Sommer war ereignisreich, viel Zeit wurde draußen verbracht und die Tage waren länger. Die meisten von uns waren vermutlich auf Urlaub, die Unternehmungslust treibt uns an neue Orte, ob nah oder fern.

Der Herbstbeginn löst in mir jedes Jahr ein Gefühl der Wehmut aus. Und gleichzeitig eine Vorfreude auf die kommende, gemütliche Jahreszeit mit heißen Getränken und Kerzen gemütlich daheim – nicht zuletzt auf Weihnachten, wo es ja jetzt schon Lebkuchen zu kaufen gibt.

Wie auch immer ein*e Jede*r diesen Übergang in den Herbst empfindet, die Natur hat ihren Plan und daran wird unsere Einstellung dazu nichts ändern – zum Glück! ..obwohl ich ja schon auch dazu neige, Tatsachen wegrationalisieren zu wollen.

Was können wir tun?

Was bleibt uns also übrig? Wie können wir mit Gegebenheiten umgehen, die wir uns anders wünschen würden, die bei uns ein schlechtes Gefühl auslösen oder vielleicht sogar unlösbar scheinen?

Ich habe vor allem in den letzten Wochen gelernt, dass es für mich und mein Wohlbefinden zuträglich ist, Situationen anzunehmen. Und ja, das zu schreiben geht für mich ganz locker flockig – easy. Das auch umzusetzen in hartnäckigen Fällen nahezu eine Katastrophe. Von dieser Sorte gibt es nur ganz wenige, aber sie fühlen sich an, als würden sie beim Zulassen (also annehmen) echten, physischen Schmerz auslösen – tun sie bestimmt auch!! Und ja, ich bin sehr stur und gehe nicht so gerne Kompromisse ein, was es eben nicht leichter macht für – am Ende – mich. Das ist ja das Problem an der Sache, dass ich das Annehmen nur für mich mache, also keine Ausreden. Für mich fühlt sich so eine Situation wie folgende Metapher an: Ich hänge (mal wieder) an einer Klippe und traue mich gar nicht hinunter zu schauen. Ich klammere mich mit beiden Händen verzweifelt am Felsen fest und oben steht eine Figur die mir sagt, dass ich loslassen soll – annehmen. Nie im Leben traue ich dieser*m Verrückten, der*die mir selbst sehr ähnlich sieht, vielleicht sogar ein innerer Anteil von mir ist. Ich fühle mich also in akuter Lebensgefahr – bin ich auch!.. Naja egal, jedenfalls schaut die Realität so aus, dass wenige Zentimeter unter meinen Füßen der Boden ist.


Annehmen vs. Resignieren

In einem guten Buch*, das ich gerade lese, schreibt die Autorin, dass es beim Annehmen des Körpers nicht um das Hinnehmen der Situation geht. Es geht um das Annehmen der Situation, wie sie ist. Am besten liebevoll. Ob das nun der Körper, die Jahreszeit oder die Entwicklung einer Beziehung ist. Was jedoch NICHT heißt, dass ich mich aus diesem Annehmen heraus nicht entscheiden kann für eine Veränderung meines Körpers. Oder einen Urlaub im Süden, um dort Sonne und gute Laune zu tanken.

Dieser Gedanke war für mich ein sogenannter Game Changer, um wieder einmal aktuelles Vokabular einzuwerfen 😉 Es hat meine Sichtweise komplett verändert, obwohl es ja bestimmt gar nichts Neues ist. Annehmen ist also meine Mission für den September! ..und Oktober, November, 2021, restliches Leben vermutlich. Aber es macht mir Freude, wieder einen Schlüssel gefunden zu haben, wie ich weiterkomme und mein Wohlbefinden erhöhen kann.

*Dem Meer ist es egal, ob du eine Bikinifigur hast von Miyabi Kawai (..und nein, ich bekomme kein Geld für diese Werbung :-DD)

Tun

Ich schreibe über dieses Thema aus dem Grund, da es für mich gerade sehr aktuell und in dieser klaren Form noch sehr neu ist – Erfahrungen und Tipps heiße ich an dieser Stelle herzlichst Willkommen! Was werden also meine persönlichen nächsten Schritte sein?

Zuerst einmal streiche ich wertende Wörter, so gut es mir möglich ist, aus meinen Gedanken rund um „meine“ Themen. Ich beobachte Situationen also von außen und möglichst wertfrei (easy..).

Sinngemäßes Beispiel aus dem Buch: Ich habe dichtes Haar, ich habe kurze Beine, ich habe eine breite Hüfte, ich habe kurze Wimpern etc., anstatt: ich habe schwer zu bändigendes Haar, ZU kurze Beine, ZU breite Hüfte, unvorteilhaft kurze Wimpern, usw. Ich glaube, ihr versteht.


Meine zweite Mission ist das Unterbrechen eigener Gedanken, die andere bewerten. Das geschieht oft nebenbei und gar nicht in böser Absicht. Gewertet wird schnell, habe ich in meiner Studienzeit bei Beobachtungsaufgaben gelernt. Da geht es noch gar nicht um bösartige Absichten.

Gemäß der Idee aus besagtem Buch unterbreche ich mich also mit Worten wie: „Halt, ich bin besser als dieser Gedanke.“ Da ja bereits der 7. September ist, habe ich schon einiges an Übungszeit zur Verfügung gehabt – ich bin bei 2-3 gelungenen Situationen, yess!

Konkret

Ich nehme es an, dass dieser Blog einen Tag (zu..) spät/er online kommt, als mein Plan war.

Ich nehme mich, meine Persönlichkeit und meinen Körper, so an, wie er im Moment ist.

Ich nehme die Situation an, dass manche Beziehungen in meinem Leben nicht so „bequem“ oder erfüllend sind, wie ich sie gerne hätte. Für Veränderungen bleibe ich offen.

Ich nehme meine Stärken und auch meine Schwächen an. Ich muss mich weder für erstere rühmen noch für letztere schämen.

Aus einer Abwehrhaltung oder einer Verteidigungsposition wird für mein Gefühl nichts wirklich Gutes und Neues entstehen. Anzunehmen bedeutet NICHT, etwas auch gleich gut zu heißen oder versagt zu haben. Es hilft mir ganz im Gegenteil, einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen und klarer zu sehen – davon bin ich überzeugt, sonst wäre es nicht so schwierig!


Da dieses Thema bestimmt viele von uns betrifft, würde ich mich über eure Meinungen und Erfahrungen dazu freuen. Alle Beiträge sind willkommen 💛

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